Mittwoch, 5. Juni 2013

Land unter – aus der Froschperspektive

Und wieder hat es uns erwischt. Nach den Erfahrungen aus dem Jahre 2002 – „so etwas darf nie mehr passieren“ – passierte „es wieder“.



Nicht die Niederschläge und deren Folgen. Sondern – einmal mehr – die katastrophale Vorbereitung auf solche unausweichlichen Naturereignisse. Die „Verantwortlichen“ realisierten viel zu spät dass Gefahr im Anzug war. 

Alarmierung der Betroffenen kam von Unten nach Oben. Einmal mehr stand Selbsthilfe vor Fremdhilfe. Einmal mehr war es der Bürger und die unteren Chargen von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften die den Karren aus dem Wasser zogen. Einmal mehr beeindruckte die Solidarität der Tschechischen Bevölkerung mit den Betroffenen. Diese Tatsache, diese Erkenntnisse machen mir das „Volk“ so sympathisch. 

Und weiter? – vergiss es...

Betrachtet man die Situation aus der Froschperspektive sieht es in Prag wie folgt aus: Die Stadtregierung beschäftigt sich vornehmlich mit ihren eigenen Problemen. Machiavelli vor Hydrologie, Brutus gegen Meteorologie. Fachkompetenz wurde im Handstreich abgewählt und in die Wüste geschickt derweil dilettierende Parteischaffende auf der Suche nach funktionierenden Netzwerken sind. Dazu – wen wundert’s - Wahlvorbereitung statt Krisenmanagement. 

Die Minister trafen sich erstmals am Sonntagabend. Auch Sie zu spät, zu wenig informiert, nicht vorbereitet. Man kann auch da keine Leichtfertigkeit vorwerfen. Es ist die pur gelebte Unfähigkeit, sich mit den Bürgern und deren Problemen auseinanderzusetzen. Die Lächerlichkeit, angesichts dieser Probleme 1000 Militärpersonen in Einsatz zu bringen, unterstreicht diese These. Die zu späte Alarmierung, das Kompetenzgerangel, fehlende Ressourcen all dies rundet das schlechte Bild ab.

Von der Burg ist keine grosse Hilfe zu erwarten. Dort wird der Pegelstand seit Kurzem nicht mehr metrisch sondern in Promille gemessen. Zumindest für den Tischkalender unseres verehrten Präsidenten hätte ich den treffenden Muotathaler Tagesspruch: „Wänns obä schifft und unä saicht häschs mit em Wetter nöd guet braicht“. Das würde er verstehen – vielleicht.


Geschrieben von
Hans Peter Steiner

Impressionen zum grossen Hochwasser 2013:


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