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Wie man eine tschechische Mohnmühle in der Schweiz findet



Die Mohnmühle

In den ersten Wochen meines Aufenthaltes in der Schweiz, ausser Arbeit, machte ich mich auch mit anderen Vorteilen der westlichen Welt bekannt. Ich kam nicht aus dem Staunen. 

Ich erinnere mich als ich erstmals in das Kaufhaus Globus in Basel kam, in die Käseabteilung. Ganz stillschweigend bewunderte ich das Sortiment. Sie hatten Käse aus aller Welt, ich glaube sogar aus dem Mars. Es kam mir mein Vater in Erinnerung, der vor allem den Roquefort liebte. Falls in Prag der Roquefort zufällig zu kaufen war, hat ihm meine Mutter ein Stückchen gekauft. Er war so teuer, dass es nur für den Vater bestimmt war, wir anderen assen den Niva. In Globus ging ich denn an die Theke und fragte neugierig: „Haben Sie auch Roquefort?“ Die Verkäuferin antwortete: „Welchen? Es gibt achtundvierzig verschiedene Sorten vom Roquefort, aber wir führen davon nur deren zwölf.“ Dies liess ich kommentarlos, aber meinem Vater nach Prag schrieb ich es.

Langsam stellte ich fest, dass man wirklich alles kaufen kann, was einem in Sinn kommt. Viel später, meine Frau, eine Schweizerin, liebte einige Tschechische Spezialitäten, wie z.B. die Semmelknödel, die Marillenknödel oder die Nudeln mit Mohn. Ich unterliess keine Gelegenheit um sie ihr zu kochen.


Rezept: Oma´s Mohnnudeln von Kochbar.de
Den Mohn kauften wir in Deutschland, aber wie soll ich ihn mahlen? Ohne eine Mohnmühle geht es wirklich nicht! Ich fragte in allen möglichen Haushaltgeschäften, aber überall schüttelten sie den Kopf. Sogar, als ich das Wort Mohn aussprach, kreuzigten sie sich und sagten, damit wollen sie nichts zu tun haben. Ihre Vorstellung Mohn = Opium war zu fix. Ein Kollege riet mir einmal: „Probiere es mal bei Strahm in Kleinbasel.“ 

Bei der nächsten Fahrt nach Basel hielt ich bei Strahm an. Ich peilte sofort eine ältere, sympathische Verkäuferin an. (Damals teilte ich die Damen noch auf die älteren und die jüngeren. Heute treffe ich nur die jüngeren, aber es nützt nichts. Weder ihnen, noch mir.) Sie lächelte mir entgegen, also fing ich scheu an: „Ich habe so eine ungewöhnliche, komische Idee die Mohnsamen zu mahlen.“ 



Sie reagierte sofort: „Dann brauchen Sie eine Mohnmühle, nicht wahr?“ „Sicher:“ stimmte ich ihr zu, überrascht, dass sie kein bisschen überrascht war. „Elektrisch oder von Hand?“ „Ist gleich, aber von Hand würde genügen. Ich mahle doch keine grossen Mengen.“ Sie sagte „Ein Moment!“ und stieg auf eine lange Leiter. Vom obersten Regal ganz links nahm sie eine wunderschöne Mohnmühle. „Vieviel kostet sie?“ Sie sagte den Preis und ich bezahlte. „Aber viel Mohnmühlen verkaufen Sie hier nicht, oder? Wie lange haben Sie sie hier schon?“ wurde ich neugierig. „Als ich vor achtunddreissig Jahren hierher kam, lag sie schon da“ sagte sie mir lächelnd. Und warum hüten Sie sie hier so lange?“ „Na für Leute wie Sie sind, die plötzlich etwas unerwartet  brauchen.“ Auch das ist die Schweiz!

Die Mühle diente uns einwandfrei die ganzen zweiundzwanzig Jahre unserer Ehe. Bei der Scheidung wurde sie ihr zugesprochen. Ich hoffe, es geht ihr gut, sie hätte es verdient. Die Mohnmühle nämlich!


Geschrieben von
Jan Kriz

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